Historische Schritte auf dem Weg zum Gothaer Parteitag

LEIPZIG 1863
Der Beginn der Deutschen Sozialdemokratischen Arbeiterbewegung

Die Revolution von 1848/49 wurde trotz ihres Scheiterns zur Geburtsstunde der politischen Parteien im modernen Sinne. Auch wenn die ersten Arbeitervereinigungen aus der 48er Revolution Wieder unterdrückt wurden, ging der Zusammenschluss zu Gewerkschaften und Parteien weiter. Ein von Ferdinand Lassalle verfasster Aufruf, eine eigenständige unabhängige Arbeiterpartei zu gründen, hatte bei vielen Mitgliedern der verschiedenen Vereine ein Signal zum Handeln ausgelöst. Am 23. Mai 1863 versammelten sich in Leipzig Delegierte aus 11 Städte, riefen den Allgemeinen Deutschen Arbeiterverein (ADAV) aus und wählten Lassalle zu ihrem ersten Präsidenten. Er stellte die Forderung für ein allgemeines, gleiches 'Wahlrecht sowie nach staatlich unterstützten Produktionsgenossenschaften.

EISENACH 1869
Die Gründung der Sozialdemokratischen Arbeiterpartei (SDAP)

20 Jahre nach dem Erscheinen des von Marx und Engels verfassten Kommunistischen Manifestes« setzten sich Wilhelm Liebknecht und August Bebel dafür ein, eine revolutionäre Partei der deutschen Arbeiterbewegung zu gründen. Der von beiden seit 1867 geführte Verband Deutscher Arbeitervereine (VDAV) und der von Ferdinand Lassalle 1863 gegründete Allgemeine Deutsche Arbeiterverein (ADAV) trafen sich zur Eröffnung des Kongresses am 7. August im Hotel Goldener Löwe" . Aus ganz Deutschland reisten 283 Kongressteilnehmer in der Wartburgstadt Eisenach an. Sie hatten das Mandat von über 155 000 organisierten Arbeitern erhalten, die Sozialdemokratische Arbeiterpartei (SDAP) zu gründen. Seinen Abschluss fand der Kongress im Hotel Zum Mohren« am g. August mit der Gründung der Sozialdemokratischen Arbeiterpartei (SDAP).

GOTHA 1875
Der Weg zur Einigung
- Die Gründung der Sozialistischen Arbeiterpartei
Deutschlands (SAP)

Mit dem Jahr 1873 begannen die Auseinandersetzungen zwischen der Sozialdemokratischen Arbeiter­partei und dem Allgemeinen Deutschen Arbeiterverein abzuklingen. Mehrere Gründe zwangen sie, Wege zu einer Einigung zu finden. Zum einen trug dazu die Reichsgründung und die Festigung des Staates unter Bismarcks Herrschaft, zum anderen eine einsetzende Wirtschaftskrise in Deutschland bei. Nach zwei Jahren, am 14. und 15. Februar 1875 fand eine Vorkonferenz in Gotha statt. Jede Partei entsandte 9 Vertreter mit dem Auftrag, einen Entwurf für ein Programm zu erarbeiten. Dieser Entwurf, der im wesentlichen Thesen von Lassalle enthielt, wurde im "Volksstaat", einem Organ der Eisenacher, 
am 7. März 1875 veröffentlicht. August Bebel las den Entwurf im Gefängnis und verfasste einen Gegenentwurf. Die führenden Vertreter der SDAP lehnten ihn aber ab. Karl Marx übte scharfe Kritik am Programmentwurf. In den "Randglossen zum Programm der Deutschen Arbeiterpartei", die er Anfang Mai 1875 an die Verantwortlichen der SDAP schickte, nutzte er die historischen Erfahrungen der Pariser Kommune und behandelte Grundfragen der deutschen Arbeiterbewegung gegen alle Erscheinungsformen bürgerlicher Ideologie. Diese theoretische Schrift ist als "Kritik des Gothaer Programms" berühmt geworden. Darauf beruhte der Gegenentwurf Bebels, der keine Beachtung fand.
Auf dem vom 22. bis 27. Mai 1875 einberufenen Vereinigungs-Congress, an dem 129 Delegierte teilnahmen, wurde dennoch mit mehreren Anträgen gegen die Lassalleanischen Thesen, zum Beispiel das "ehernen Lohngesetz" und die Forderung auf Bildung von Produktionsgenossenschaften mit Staatshilfe, Stellung bezogen. Die Anträge fanden keine Mehrheit bei den Delegierten.

Doch die Eisenacher konnten durchsetzen, dass entgegen der Haltung der Lassalleaner das Programm ein klares Bekenntnis zum proletarischen Internationalismus enthielt. Der Gothaer Vereinigungs-Congress nahm das Programm am 25. Mai einstimmig an. Es enthielt aber noch zu viele opportunistische Thesen der Lassalleaner, was gegenüber dem Eisenacher Programm ein Rückschritt bedeutete.



Im Ergebnis des Gothaer Vereinigungs-Congresses hatte die deutsche Arbeiterbewegung mit der Gründung der Sozialistischen Arbeiterpartei Deutschlands (SAP) eine einheitliche Partei, die deren Interessen im nationalen Rahmen von nun an vertrat. Das sollte die neue Partei und die deutsche Arbei­terbewegung deutlich zu spüren bekommen, als im Oktober 1878 das "Gesetz gegen die gemein­gefährlichen Bestrebungen der Sozialdemokratie" (Sozialistengesetz genannt) im deutschen Reichstag verabschiedet wurde und erst am 30. September 1890 aufgehoben wurde.
Der Gothaer Schuhmacher und Sozialdemokrat Wilhelm Bock

Friedrich Wilhelm Louis Bock wurde am 28. April 1846 im thüringischen Großbreitenbach als Arbeitersohn geboren. Nach dem Besuch der Volksschule absolvierte er von 1860 bis 1864 eine Schuhmacherlehre in Arnstadt. Danach begab er sich als Geselle auf Wanderschaft. Diese führte ihn über Magdeburg nach Hamburg. Dort war er bis 1869 tätig und begann sich auch politisch zu betätigen. 1866 trat er dem Hamburger Arbeiterbildungsverein und ein Jahr später dem Allgemeinen Deutschen Arbeiterverein (ADAV) bei. Im Frühjahr 1869 blieb er in Gotha hängen, als er einem Meister den Gruß eines Gesellen bestellte, der Bock daraufhin für einige Wochen zur Aushilfe einstellte. "Da mein Reisegeld auf einige Groschen zusammengeschmolzen war und ich von der Wanderschaft ermüdet war, so kam mir der Wunsch des Meisters sehr gelegen, ich schlug ein, ohne zu ahnen, dass mit diesem Schritt meine ganze Lebenslaufbahn entschieden war", schrieb Bock später darüber.
Im August 1869 nahm er als Delegierter der Gothaer Ortsgruppe des ADAV (15 bis 20 Mit­glieder) am Eisenacher Parteitag teil. Schnell wurde Bock einer der aktivsten und erfolg­reichsten Agitatoren, was zu mehrfachen Gefängnisstrafen führte. Seit 1873 war er auch Vorsitzender der Internationalen Gewerksgenossenschaft der Schuhmacher, deren Organe "Der Wecker" (1875-78), "Der Schuhmacher" (1878-87) und schließlich das "Schuhmacher-Fachblatt“ er herausgab.
Maßgeblich war er an der Vorbereitung des Gothaer-Vereinigungs-
parteitages (22. bis 27. Mai 1875) im Kaltwasser'schen Saal, des jetzigen Tivoli beteiligt, den es ohne sein Wirken wahrscheinlich nicht gegeben hätte. Während des Sozialistengesetzes (1878-90) organisierte er acht illegale Landeskonferenzen der Sozialdemokratie. Von 1891 bis 1933 erschien das von ihm gegründete "Gothaische Volksblatt" als "Organ für die Interessen der werktätigen Bevölkerung". Es wurde in seiner Buchdruckerei in der Kindleber Straße 11 gedruckt.
Von 1892 bis 19 18 war Bock sozialdemokratischer Abgeordneter des Gothaischen Landtages und - mit Unterbrechungen - von 1884 bis 1928 Mitglied des Reichstages. Zweimal bekleidete er sogar den "Ehrenposten als Alterspräsident".
1907 wurde auf seine Initiative hin der Gasthof "Zum Mohren" gekauft, der daraufhin als "Volkshaus zum Mohren" eine traditionsreiche Versammlungsstätte der Gothaer Arbeiter wurde. Dort wurde 1917 auch die USPD gegründet. Bock war einer der Mitbegründer und gehörte bis 1922 dem rechten Flügel dieser Partei an.
Während der Novemberrevolution von 1918 war Wilhelm Bock - bis zu seinem Rücktritt im Februar 1918 - Mitglied des Arbeiterrates und des Rates der Volksbeauftragten. In dieser Funktion erklärte er am 9. November den seit 1905 regierenden Herzog Carl Eduard von Sachsen-Coburg und Gotha (1884-1954) für abgesetzt.

"An meinem Lebensabend sehe ich mit Befriedigung auf meine Tätigkeit zurück, wohl habe ich Undank geerntet, aber auch viel Dank und Anerkennung wurden mir zuteil." Dieses Resümee zog Bock in seinen 1927 unter dem Titel jm Dienste der Freiheit" erschienenen Lebenserinnerungen. 85-jährig starb er am 22. Juni 193 1. Auf dem Gothaer Hauptfriedhof ruht seitdem "ein Sohn des Volkes", wie die Grabsteininschrift besagt. Seit 1946 ist eine Gothaer Straße nach ihm benannt.

Die Jubiläumsuhr wurde als Sammlerstück in einer Limitierten Höhe von 
999 Stück aufgelegt.
Die Nr. 1 erhielt an 20.Mai 2000 SPD-Parteivorsitzender und Bundeskanzler Gerhard Schröder als Andenken an den Besuch im Saal des Gothaer Tivoli überreicht.
Die Nr. 8  wurde Dr. Gyila Horn zur Erinnerung an seinen Gothabesuch am 
5. Mai 2000 als Geschenk der Stadt Gotha vom OB Doenitz übergeben. Die mit Zertifikat ausgestattete Uhr weist zwei Besonderheiten auf:

Zertifikat 
1.

Die Nr.125 wurde als einzige der Serie als Taschenuhr gefertigt, um sie als Ausstellungsstück im Saal des Gothaer Tivoli besser betrachten zu können.

2.

Die als einziges 2. Entwurfsexemplar gefertigte Armbanduhr wurde mit der Nr.100 versehen und soll demnächst als Unikat versteigert werden (Mindestgebot: 200DM).

Tivoli-Uhr versteigert

Die Tivoli-Uhr mit der Nr. 100 als Unikat wurde mit einem Mindestgebot in Höhe von 200,00 DM zur Versteigerung angeboten. 
Der Vorstand des Vereins hat am 29.11. 2001 die Versteigerung für beendet erklärt und den Zuschlag an Herrn Roland Erdtmann aus 99102 Rockhausen gegeben. 
Wir gratulieren dem neuen Besitzer.

Für Sammler und Interessenten!
Die limitierte Jubiläumsuhr des Fördervereins GOTHAER TIVOLI kann auch über das Büro des Vereins erworben werden. Schauen Sie doch einmal unsere Homepage.

Der Vorstand
                                                                                                   
                                                           
                   
                    
     2. Entwurfsexem-
      plar (Nr.100)
Rückseite mit Gravur
                                                                  

                                                                  Jubiläumsuhr limitierte Auflage

 

 

                                                  Die Uhr kann über den Gothaer Uhrenmachermeister Barkowski bezogen werden.
                                                  Adresse: Erfurter Straße 18 in 99867 Gotha
                                                     Telefon/Telefax: 03621/24296